Zukunft der Arbeit 12. Mai 2026 · 1 Min. Lesezeit

Der Mensch wird wichtiger. Warum trainieren wir ihn nicht?

KI übernimmt die Routinearbeit – was bleibt, sind die Momente, die wirklich zählen. Und genau diese haben wir nie systematisch trainiert.

Jakob Logar

Jakob Logar

Business Expert, Co-CEO

Der Mensch wird wichtiger. Warum trainieren wir ihn nicht?

Wir reden gerade sehr viel darüber, was KI mit der Arbeitswelt macht. Welche Jobs verschwinden, welche entstehen, was sich verändert. Aber eine Frage stellen wir dabei kaum: Was passiert mit den Menschen, die bleiben?

KI übernimmt alles, was sich wiederholen und automatisieren lässt. Das ist keine Drohung, das ist einfach die Richtung. Was bleibt, sind die Momente, die sich nicht automatisieren lassen. Das schwierige Gespräch. Die Verhandlung. Der Moment, wo jemand Nein sagt und du trotzdem weitermachen musst. Diese Momente werden seltener, aber sie werden entscheidender. KI macht den Menschen nicht unwichtiger. Sie macht die Momente, in denen Menschen zählen, zur Hochleistungssituation.

Und hier liegt der Widerspruch, der mich wirklich beschäftigt.

Ich habe viele Jahre Triathlon gemacht. Einen Triathlon schüttelst du nicht einfach aus dem Ärmel, weil du talentiert bist. Du trainierst Monate, manchmal Jahre, für wenige Stunden am Wettkampftag. Der Wettkampf ist die Ausnahme, das Training ist die Regel. Im Beruf drehen wir das komplett um. Wir schicken Menschen in ihre wichtigsten Gespräche, ohne dass sie je dafür trainiert haben. Das Vorstellungsgespräch. Das erste Kundengespräch. Das Mitarbeitergespräch, das eskaliert. Wir nennen das dann Erfahrung sammeln. Aber eigentlich lernen wir auf Kosten echter Situationen, mit echten Konsequenzen.

Je mehr KI die einfachen Aufgaben übernimmt, desto öfter landen Menschen in genau diesen Momenten. Und desto teurer werden Fehler dort. Der Druck steigt. Die Vorbereitung nicht.

Das ist kein abstraktes Problem. Das ist eine strukturelle Lücke, die wir systematisch ignoriert haben, weil wir nie einen Grund hatten, sie zu schließen. Früher war genug Routinearbeit da, um Unsicherheiten zu überbrücken. Heute nicht mehr.

Die Frage ist nicht mehr, ob wir trainieren sollten. Die Frage ist, warum wir so lange gewartet haben.

Dieser Gedanke war die Motivation, versa zu gründen. Eine Plattform, auf der Menschen genau diese Gespräche üben können, bevor sie zählen. Nicht im echten Kundengespräch, nicht auf Kosten einer Beziehung, die gerade aufgebaut wird. Im Training.

Weil Höchstleistung kein Zufall ist.